Orientierungswandern am Schulnamenstag

Jeder Lehrer kennt aus seiner eigenen Schülerzeit das Ereignis des so genannten Wandertages. An diesem Tag unternahm die eigene Klasse zumeist einen Ausflug in die nähere Schulumgebung. Man wanderte, ausgestattet mit einem Rucksack, in dem sich Verpflegung für den Tag befand, die aber, kaum gestartet, gezielt verspeist wurde. Gesunde Sachen wie Äpfel oder Möhren wurden konsequent bis zum Schluss aufgehoben, in der Hoffnung, sie noch gegen ein Bounty oder ein Mars tauschen zu können. Regenjacken durften auch nicht fehlen (für alle Fälle).

Diese Unternehmungen sollten das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe auch außerhalb festgelegter schulspezifischer Verhaltensrituale festigen. Transportiert werden konnte solch eine Zielsetzung durch entsprechend lockeren Umgang z.B. im Spiel oder beim Erzählen.

Auch bei unseren Orientierungswanderungen steht neben dem Naturerlebnis der weitere Ausbau des Wir-Gefühls im Mittelpunkt. Alle Schüler/-innen und Lehrer/-innen sind an diesem Tag unterwegs. Die Lerngruppen befinden sich untereinander in einer Wettbewerbssituation, wobei aber nicht die Leistung eines einzelnen Schülers, sondern die der gesamten Lerngruppe honoriert wird. Die Lerngruppen werden von den Klassenlehrer/-innen begleitet.

Für alle Gruppen besteht die Aufgabe darin, von ihrem Startpunkt über eine genau einzuhaltende Strecke zur Schule zurückzufinden und dabei unterwegs einige Aufgaben zu erfüllen.

Unsere Einrichtung liegt in einer von Wald, Wiesen und Feldern gekennzeichneten Umgebung, die von Wander- wegen durchzogen ist, so dass auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit ideale Bedingungen für Aktionen außerhalb des Schulgeländes vorhanden sind. Um eine Wegstrecke von 5 - 7 km auszuarbeiten, die von den Teilnehmer/-innen in 1,5  bis 2,5 Stunden bewältigt wird, bedarf es nach unseren Erfahrungen mindestens 20 Stunden Vorbereitungszeit.

Zunächst muss eine geeignet erscheinende Wanderstrecke (Kartenstudium) erprobt werden. Dabei können schon Fotos von markanten Wegstellen geschossen werden, die später vervielfältigt und in das Wegebuch in der chronologischen Reihenfolge eingebracht werden. Dieses Wegebuch dient später der Orientierung.

Für jede Wandergruppe wird ein Wegebuch erstellt, in dem sich die Wegbeschreibung und Fotos (ca. 12 - 15 pro Buch) befinden, dazu die Aufgaben und die Tabelle für die Wegschilder. Die Aufgaben werden dem Alter bzw. dem Lernstand der Schüler/-innen entsprechend ausgewählt. Die Wegebücher sind ca. 20 Seiten stark und als Schnellhefter zusammengefasst. Sie werden erst am Startort ausgehändigt.

Um den unterschiedlichen Leistungsvermögen der gesamten Schülerschaft gerecht zu werden, werden zudem drei unterschiedlich lange Strecken begangen (für Primar-,  Sek. I- und die Abschlussklassen / Werkstattschule). Bei einer zweiten Begehung, unmittelbar vor der Wanderung, werden Schilder an der Strecke angebracht, die von den Teilnehmer/-innen in der richtigen Reihenfolge aufgelistet werden müssen. So ist ausgeschlossen, dass ortskundige Teilnehmer/-innen Abkürzungen gehen.

Nach dem Wandertag müssen diese Schilder wieder eingesammelt werden.

Alle Lerngruppen werden einzeln nach einem festgelegten Ablaufplan mit unseren Heimbussen zu den Startorten gefahren. Dazu benötigen wir drei Busse mit drei Fahrern, die nicht mitwandern, sondern zur Schule zurückkehren, um die nächste Gruppe zu fahren. Somit ist gewährleistet, dass die Gruppen nicht in Sichtweite untereinander starten und laufen.

Unterwegs wird eine Erfrischungsstation eingerichtet (Heimbus mit fester Besatzung, die Wasser und Snacks verteilt). Dieser Anlaufpunkt ist als Motivationsschub für den zweiten Abschnitt stets willkommen.

Auf dem Schulhof werden die Teilnehmer/-innen in der Reihenfolge ihres Eintreffens in Empfang genommen. Es wartet dort dann ein gemeinsames Mittagessen.

Die Wegebücher werden eingesammelt und ausgewertet. Alle Teilnehmer/-innen, die in ihrer Gruppe wieder an der Schule angekommen sind, sich fair und konstruktiv verhalten haben, werden mit Gutscheinen für unser Schülerbistro belohnt, wobei die Qualität der Aufgabenlösungen natürlich zusätzlich prämiert wird.

Bislang wurden an unserer Schule zwei Orientierungswanderungen organisiert und durchgeführt, an denen alle Lerngruppen teilnahmen. Bei der  ersten O-Wanderung war es regnerisch und nebelig. Alle Teilnehmer/-innen kamen mehr oder weniger nass ins Ziel. Trotzdem sah man nur leuchtende Augen und hörte von Freude und Zustimmung gekennzeichnete Kommentare. Beim zweiten Mal spielte auch das Wetter mit, die Resonanz der Teilnehmer/-innen war wiederum positiv.

Der Erlebniswert war spürbar und die Schüler/-innen um die Erfahrung reicher, etwas Besonderes geleistet zu haben.

Eine präzise Vorbereitung bzw. didaktische Aufbereitung ist allerdings notwendig, um diese Erfolgserlebnisse zu erreichen. Eine Wanderung, bei der ein Erwachsener mit einer Karte vorweg geht und den Kindern den Weg weist, wird diesen Erlebniswert nicht erreichen. Junge Menschen wollen lernen sich selbst zu organisieren.


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