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Bibelfest - bibelfest?

Eines war von Anfang an fraglos: Das „Jahr der Bibel“ sollte in der CJG St. Antoniusschule und dem CJG St. Josefshaus nicht ohne deutliches Bemühen verstreichen, unseren Kindern und Jugendlichen Zugangswege zur Bibel zu eröffnen. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, gründeten religionspädagogisch interessierte Mitarbeiter/-innen aus dem Bereich Schule und Jugendhilfe zu Beginn des Jahres 2003 einen Arbeitskreis, in dem auch bald konkrete Ideen entwickelt wurden. Zielgruppenorientiertes Vorgehen war für uns das oberste und wichtigste Gebot, da wir nur auf diesem Wege die Chance sahen, auch die Schüler/-innen zu erreichen, bei denen weder elementare religiöse Erfahrung noch zwischenmenschliche Grunderfahrungen des Vertrauens und der Geborgenheit als gegeben vorausgesetzt werden können. Auch haben nur wenige von ihnen kirchliche Bezüge oder verfügen über umfangreiches religiöses Wissen.

Bei unseren Vorüberlegungen entdeckten wir die These von Prof. Hermann-Josef Venetz, dass wache Sinne zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören, um die Bibel richtig zu verstehen: „Unsere Sinne sind wichtige Tore zum Herzen des Menschen, zu seinem Innersten, dort, wo er liebt und hofft und glaubt, dort, wo er ganz er selbst ist…..“. (VENETZ/Bibelwerk Oberwallis) Angeregt durch diese Ermutigung zu ganzheitlichen und sinnlichen Formen der Bibelarbeit festigte sich die Idee, unseren Kindern und Jugendlichen die Wurzeln des biblischen Glaubens sehr konkret nahe zu bringen und ihnen religiöse Erfahrung mit Kopf, Herz und Hand zu ermöglichen. So kam es zur Planung und Vorbereitung von Bibeltagen zu dem Thema Taufe, das verdichtet wurde in den Symbolen Name, Hand, Wasser, Licht und Kreuz. Zu jedem Symbol wurde von den Mitarbeiter/-innen des Arbeitskreises eine Werkmappe mit Bibeltexten, Liedern, Spielanregungen, Bastel- und Werkideen zusammengestellt, die die Durchführung von Angeboten in den Wohn-, Tages- und Lerngruppen erleichtern sollten.

In einem Zeitraum von 14 Tagen wurden dann in allen Bereichen der Einrichtung ganz unterschiedliche Aktivitäten rund um diese Symbole entwickelt, die bei einem großen gemeinsamen Bibelfest präsentiert oder weitergeführt und damit allen anderen zugänglich gemacht wurden.

Den Auftakt zu dem Bibelfest bildete ein Tauferinnerungsgottesdienst in unserer Kapelle, bei dem die Kindergartenkinder ebenso einbezogen wurden wie die älteren Jugendlichen aus den berufsvorbereitenden Maßnahmen. Hier wurden die fünf Symbole in Bildern, Texten, Liedern und Gebeten gebündelt und in der Erinnerung an die Taufe zusammengeführt. Am Ende des Gottesdienstes verteilten die Jugendlichen kleine Kreuzanhänger aus Holz, Ton und Metall, die sie in ihren Werkstätten hergestellt hatten.

In den Räumen der Schule entstanden ein riesiges Wandbild von der Arche Noah und ein dreidimensionales Bibelquiz; Licht- und Schattengeschichten wurden gemalt, aufgeschrieben und aufgehängt; Kerzen wurden gegossen und Buttons gestaltet; viele machten sich einen Gipsabdruck von ihrer Hand; die Bedeutung von Vornamen und die Geschichten der Namenspatrone wurden herausgearbeitet und in Wort und Bild festgehalten; Kreuze wurden aus Teig geformt und gebacken. Körperumrisse wurden auf Tapetenrollen aufgemalt und mit dem entsprechenden Namen versehen – auf diese Weise entstand an den Wänden der Turnhalle eine große Kette von Menschen, die einander an den Händen hielten; Namensschilder wurden gestaltet und Mandalas gemalt. Das offene Singen religiöser Lieder fand ebenso regen Zuspruch wie das Basteln mit Leuchtpapier in einem völlig verdunkelten Raum.

Auch in dem Besinnungsraum der Schule, in dem leise meditative Musik zu hören war und eine angezündete Kerze die Gedanken zentrierte, fanden sich viele Kinder und Jugendliche ein, um die Stille zu suchen. Der Dialog zwischen zwei Jungen in diesem Raum zeigt, wie offen und ernsthaft die jungen Menschen sich auch auf dieses Angebot eingelassen haben. Als einer der beiden sagte: „Komm, lass uns gehen!“, antwortete der andere: „Nein, warte, ich habe die Ruhe noch nicht gefunden“.

Abgerundet und beendet wurde das Fest mit einem gemeinsamen Imbiss, der von den Mitarbeiter/-innen der Küche des CJG St. Josefshauses vorbereitet worden war und noch einmal verdeutlichte, dass die Speisung von Leib und Seele nicht voneinander zu trennen ist.

Besonders schön war, dass sich wirklich die Kinder und Jugendlichen sowie die Mitarbeiter/-innen aus allen Lerngruppen der CJG St. Antoniusschule und aus allen Bereichen des CJG St. Josefshauses aktiv an unserem Bibelfest beteiligten: die Mädchengruppe der  Villa Lina ebenso wie die „Großen“ aus der WerkstattSchule, die Schulanfänger aus der „Frühen intensiven Förderung“ ebenso wie die Kinder und Jugendlichen aus den stationären und teilstationären Gruppen; die älteren Jugendlichen aus den berufsvorbereitenden Maßnahmen ebenso wie die Kinder und Jugendlichen aus unserer Familienwohngruppe.

Viele waren beeindruckt und innerlich berührt von der Kreativität und Liebe, mit der hier Bibel und Leben, Glaube und Alltag miteinander verbunden wurden. Die Spurensuche mit allen Sinnen, mit Kopf, Herz und Hand war gelungen. Wir haben die jungen Menschen dort angetroffen, wo sie täglich leben und haben ihnen dort personale, und auch religiöse Erfahrung ermöglicht.


Literatur: VENETZ/Bibelwerk Oberwallis: Gott mit allen Sinnen erfahren


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