Das Postulat der Beziehung

Grundlage einer jeden Vorbereitung von Unterricht, so jedenfalls bekam man dies als junge/r LAA im Seminar eingetrichtert, ist das didaktische Modell (des jeweiligen Fachleiters). Nur, ein allgemein gültiges didaktisches Modell gibt es nicht. Seit der Diskussion um die Vorrangigkeit von Bildungstheorie (KLAFKI 1958/62/63) versus Lerntheorie (z.B. HEIMANN/OTTO/SCHULZ 1965) in den Sechzigern, den Fortschreibungen dieser Ansätze in den Siebzigern und Achtzigern, Hamburger Modell (SCHULZ 1980), Kritisch konstruktive Didaktik (KLAFKI 1985) gibt es inzwischen zahlreiche Versuche mehr, didaktisch-methodische Unterrichtsvorbereitung zu systematisieren, um dem lernenden Lehrenden die Arbeit zu erleichtern. In der Regel sind diese Modelle für die allgemeine Schule konzipiert, nicht aber für den Unterricht speziell an der Schule für Erziehungshilfe / seit 8/2005 in NRW: Förderschule, Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung.

Das folgende Modell richtet den Fokus einmal nicht auf die didaktisch-methodischen Entscheidungen, sondern eher auf die bedingenden Faktoren:

Die Komplexität dieser Darstellung entspricht der Erkenntnis, dass Unterricht an unserem Schultyp meist individualisierend sein muss, wie ebenso unsere Förderplanung für die einzelnen Schüler/-innen beschreibt. 

Während an allgemeinen Schulen die Themen der Lehrpläne und die dort festgelegten Ziele wesentlich die unterrichtliche Vorgehensweise bestimmen, gilt für uns das Postulat der emotionalen und sozialen Entwicklung der Schüler/-innen. Dies bedeutet  für die didaktisch-methodischen Entscheidungen individuelle Stärken und Schwächen der Schüler/-innen zu berücksichtigen, zum Beispiel bei der:

  • Zusammenstellung von Lerngruppen
  • Wahl der Bezugspersonen
  • Rhythmisierung des Schulalltags
  • Gestaltung der Gebäude, Unterrichtsräume und Fachbereiche
  • Auswahl von Unterrichtsthemen
  • Festlegung der Sozialformen des Unterrichts
  • Artikulation des Unterrichts
  • Findung zusätzlicher heil- und sonderpädagogischer Förderbereiche
  • Entwicklung von Schulleben

Das Schaubild verdeutlicht, dass die psychosozialen und endogenen Faktoren des/der Einzelnen bestimmen, welche Beziehungsgestaltung Unterricht überhaupt ermöglicht. Erst wenn dies geklärt ist, können andere Determinanten unterrichtlicher Planung und Realisation zum Zuge kommen. Die belastende Beziehungsfähigkeit unserer Schüler/-innen ließ sie in den Klassen an allgemeinen Schulen scheitern. Unsere Aufgabe ist, Unterricht so zu gestalten, dass sie sich sukzessive (wieder) dem Lernen öffnen und in soziale Gruppen integrieren können.

Literaturhinweis:

KRON, Friedrich W., Grundwissen Didaktik. München 1993, Reinhardt (hier sind die genannten Modelle kurz und prägnant beschrieben)


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